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"Die Tasche des Generals"
Fleur Wöss, Coach und gefragte Beraterin von Top-Führungskräften, über Stallgeruch, Dinosaurier-Unternehmen und Frauen als Gründer.
ED: Existiert aus Ihrer Sicht eine gläserne Decke in Österreich?
Wöss: Die gläserne Decke ist löchrig geworden, keine Frage. Es gibt schon etliche Frauen in Spitzenpositionen, allerdings in bestimmten Bereichen wie Kultur, Medien, PR, Marketing und in Familienbetrieben. Sogar Siemens hat jetzt bekanntlich eine Chefin. Ich glaube, dass es konservative Unternehmen gibt, in denen „Stallgeruch“ zählt. Allerdings gibt es auch Männer, die nicht bereit sind, ihre Abende in den Clubs zu verbringen oder 10 Jahre lang die Tasche ihres Generaldirektors zu tragen, um dann schließlich einen Posten zugeschanzt zu bekommen.
ED: Welche Barrieren erweisen sich für Frauen als besonders hartnäckig?
Wöss: Ein Beispiel: An der Universität, an der ich häufig Seminare halte, besetzen je nach Fakultät mehr oder weniger Frauen viele Positionen, die als Sprungbretter für Spitzenjobs wie Rektor oder Dekan gelten. Für solche Vorstufen ist Zeit nötig, die aber von Forschungstätigkeit abgezwackt werden muss. Nach der Reform des Dienstrechts werden Posten nur mehr befristet vergeben. Die neuen ForscherInnen müssen sehr viel leisten bis zur internationalen Stellenchance. So finden sich weniger Frauen, die zusätzliche leitende Positionen besetzen wollen. Sie sind weniger bereit, ihr Leben für die Karriere zu opfern.
ED: Sie kennen die Probleme ja auch aus eigener Erfahrung ...
Wöss: Ich habe meinen pragmatisierten Posten in den 90er Jahren als Assistenzprofessorin der Japanologie an der Universität Wien an den Haken gehängt. Obwohl mir zwei Lehrstühle in Deutschland angeboten wurden. Rigide Zeitstrukturen, Verwaltungsarbeit und Abendtermine waren eine Belastung, die es mir nicht wert war. Ich hatte keine Zeit für meine Familie, keine Zeit für kreative Arbeit. Es war das berühmte Hamsterrad.
Frauen wird nachgesagt, dass sie auf ihren Körper hören und ganzheitlicher denken. Das war wohl der Grund, dass ich damit aufgehört hatte. Von vielen Frauen, die einen ähnlichen „gebrochenen Lebenslauf“ gewählt haben, wie der Soziologe Ulrich Beck das nennt, habe ich den Satz gehört, den ich damals ebenfalls ausgesprochen habe: Ich wusste, wenn ich auf diese Art weitermache, werde ich krank.
ED: Bemerkt man heute trotzdem eine Veränderung der Situation?
Wöss: Die Dinosaurier-Unternehmen mit ihren starren Strukturen und Hierarchien werden ohnehin bald der Vergangenheit angehören. Es gibt einen Aufholprozess. Ich unterstütze im Coaching öfters Frauen, die auf dem Weg ganz hinauf sind, bei Präsentationen und Vorträgen. Denn es ist wichtig, jene natürliche Lockerheit zu lernen, die Männer zu Alpha-Männchen am Podium macht. Das ist mit Tipps sowie Coaching möglich. Es fängt mit dem Auftreten an und endet bei jener Wortwahl, die ein Werkzeug darstellt, Sicherheit und Überzeugungskraft zu vermitteln.
ED: Wie können Frauen sonst noch die gläserne Decke überwinden?
Wöss: Es ist wichtig, dass sie ihre Spielregeln ihrer Abteilung, ihrem Unternehmen aufdrücken und dafür kämpfen. Frauen kommunizieren anders, gehen anders mit Mitarbeitern um. Sie müssen ihrem Stil treu bleiben und neue Wege gehen. Am besten gelingt dies natürlich, wenn sie mit eigenen Initiativen auf den Markt gehen. Deswegen glaube ich, dass es am besten funktioniert, wenn sie alleine oder mit Kollegen oder Kolleginnen eigene Firmen gründen. Dort liegt die Zukunft der Frauen.
Autor: Christian Prenger, Extradienst 07/06; zum vollständigen Artikel
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